[Top of the Progs - 100 Meisterwerke] - Die Liste von SMM

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94 - READING ZERO - The Actual (1997)

Vielleicht kennt ihr das auch - man hat ein Album jahrelang nicht gehört, aber wenn es dann läuft, fühlt man sich direkt wie damals, als man es kennenlernt. Musik als Zeitreise. 1997 war ich schon fleißig am Schreiben und meine Mission war es, neue Bands zu finden und dann alle davon zu überzeugen, wie toll sie sind. READING ZERO gehörten mit ihrem Debüt dazu, "The Actual" lief damals monatelang und begeisterte mich damals genau wie heute. Ihr Stil ist ziemlich einzigartig, große Vergleiche fallen mir auch heute nicht ein. Stücke wie 'The Charade', 'And Never To Return' und besonders das riesige 'Amongst The Clouds' (auf einem, bah, Streamingdienst ist es als 'Amongst The Clowns' betitel) sind wahrhaft zeitlose, progressive Supersongs.
Das Album und die Band sagten mir gar nichts. Ich hatte mir die CD mal ohne ein Ohr zu riskieren bestellt. Nach Nachtdienst und üblem Schlafdefizit habe ich mich zum Spaziergang aufraffen können. Es lag ein wenig Schnee und das war das Setting für den Erstdurchlauf. Wunderschöner Wohlfühlprog mit unglaublich fesselnden Melodien. Passte alles perfekt zusammen, danke für den tollen Tipp!
 
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84 - TWISTED INTO FORM - Then Comes Affliction To Awaken The Dreamer (2006)

Gitarrist Kaj Gornitzka war bereits auf dem Spiral Architect-Debüt einer der Architekten ihres Sounds - sechs Jahre später kam er mit einer weiteren Progressive-Metal-Band um die Ecke, die ebenso grandios war - und leider ebenso bis heute nur ein einziges Album veröffentlicht haben. „Then…“ steckt voller feuchter Träume des Proggers - ein dominanter Basssound, Breaks an allen Ecken und Ende, mit Leif Knashaug ein Sänger, der an Buddy Lackey erinnert, und Gitarrenabfahrten, die man, einmal gehört, nur schwer vergessen hat. Man muss wissen, auf was man sich einlässt, dann wird man aber TWISTED INTO FORM auf ewig in sein musikalisches Leben aufnehmen. Anspieltipp: Die beiden die Scheibe eröffnenden Prog-Lawinen „Enter Nothingness“ und „Instinct Solitaire“ sowie das siebenminütige „The Thin Layers Of Lust And Love“. Technisch, vertrackt, aber immer auch eingängig. Wem diese Songs nicht gefallen, für den ist diese Band auch nichts. Etwas Mieses gibt es auf den 44 Minuten (perfekte Walkman-Kassetten-Länge) nicht mal ansatzweise zu hören.
Die CD (Vinyl existiert leider nicht) ist inzwischen tatsächlich sauteuer.
 
Das ist natürlich auch eine sensationelle Scheibe, wenn imo auch nicht ganz so stark wie die Spiral Architect. Aber die Zutaten sind gleich. I love it.
 
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97 - XERXES - Beyond My Imagination (1993)

"I want to tell you about a land
Which nobody can remember
It is where lights and shadows unite
Were the way of truth begins"

Wenn ein Opener schon mit diesen Zeilen anfängt, kann man doch nur hoffen, dass auch die dahinterstehende Musik diesem märchenhaften Anspruch genügt. In den angeblich so schlimmen und szenezersetzenden Neunzigern hatte ich besseres zu tun als Grunge oder NU Metal zu hassen -ich war beinahe manisch auf der Suche nach Bands, die die Worte "Fates Warning", "Psychotic Waltz" oder "Dream Theater" in den Reviews enthielten. Das Demo "Only A Dream..." verpasste ich damals leider, "Beyond My Imagination" schlug aber bei mir ganz ordentlich ein. Die Schweizer spielen einen völlig entrückten und in mancherlei Ohren möglicherweise auch leicht schiefen Stil des Progressive-Metals (nicht jede Gesangsmelodie haut hin), aber man kann sich der Faszination auch heute nur schwer entziehen. Hört euch die Scheibe an (sie ist komplett bei YouTube) und lasst euch verzaubern. Und wenn nicht - es kommen ja noch ein paar Platzierungen...
Da Dein Review mich nun dazu gebracht hat, mir endgütig diese feine CD ins Haus zu holen, soll auch hier ein kleines Feedback nicht fehlen: Vielen Dank Dir und allen anderen, die hier das Album schon empfohlen haben. Ein etwas schüchternes, aber tiefgründiges Meisterwerk. "Time For Revolution" muss eigentlich in einem Atemzug mit allen großen Songs dieses Genres genannt werden. Ja, das Ding ist etwas merkwürdig produziert (definitiv mit Lautstärkeschwankungen unterm Kopfhörer) und auch eigenwillig in sich, aber gerade das macht es wohl aus.
Ein Traum von einem Album! Wer hier auch zögert: lasst es sein und erlöst Euch selbst und taucht ein in diese bunte Welt.
Aber: ich sehe halt auch riesige Lücken in meinem Wissensschatz und das ist auch der Grund (neben der Zeit und dass ich einfach Musik schwer in Listen fassen kann), aus dem ich mich um eine eigene Liste drücke.
 
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83 - DIVINE REGALE - Horizons (1994)

Strenggenommen ist „Horizions“ ein Demo, aber mit 27 Minuten hat es zum einen die adäquate Länge, um hier aufzutauchen, zum anderen aber vor allem die Qualität. Alles an DIVINE REGALE ist großartig - der Gesang von Dwight Hill (danach nur noch auf der ersten Full Length zu hören, dann disappeared forever into life) ist traumhaft, die Stimmung immer melancholisch und das Songwriting so packend, dass ich heute morgen direkt wieder eine dicke Gänsehaut hatte, als die ersten Takte vom Song ‚Horizon‘ erklangen. DIVINE REGALE waren eine typische Progband der Mid-90s, die zeitlose Musik erschufen, was damals aber leider nur die wenigstens bemerkten. Ein Song wie ‚Underworld‘ dürfte auch heute noch die Progwelt begeistern (und ist, nebenbei bemerkt, ungefähr 300 % spannender als der neue Crimson Glory-Song aus dem Baukasten), und wenn dieses Kurzreview dafür sorgt, dass sich nur zwei Leute auf die Suche nach „Horizons“ machen, hab ich mein Ziel erreicht.
Los, ab zu YT und ‚Underworld‘ gehört:

 
und wenn dieses Kurzreview dafür sorgt, dass sich nur zwei Leute auf die Suche nach „Horizons“ machen, hab ich mein Ziel erreicht.

Ok, einen hast Du schon. Immerhin gibt es das Album zumindest bei Apple Music. Warum hast Du Dich für die EP entschieden, ist das Album schwächer (sind ja teilweise die gleichen Songs)?

Kleine Ergänzung: Die Band scheint wieder aktiv zu sein, auch mit dem Originalsänger.
 
Ok, einen hast Du schon. Immerhin gibt es das Album zumindest bei Apple Music. Warum hast Du Dich für die EP entschieden, ist das Album schwächer (sind ja teilweise die gleichen Songs)?

Kleine Ergänzung: Die Band scheint wieder aktiv zu sein, auch mit dem Originalsänger.

Das Album hat mich danach tatsächlich nicht mehr so begeistert. Schlecht isses aber natürlich nicht - auch schon ewig nicht mehr gehört.
 
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82 - HEAVEN‘S CRY - Food For Thought Substitute (1996)

1993 war ich total im Demorausch - ich schickte wie wild Dollars mühsam mit Zeitungaustragen verdientes Geld in die Welt, um Wochen später ein Tape aus dem Briefkasten zu schicken. „Sampler“ hieß das Tape der kanadischen Band HEAVEN‘S CRY, das mich völlig aus den Socken schoss. Monatelang hörte ich kaum etwas anderes, diese fünf Songs sind auch heute, 31 Jahre später, noch etwas ganz Besonderes. Danach passierte erst einmal - nichts. Erst Jahre später (no internet, you remember) tauchte ein Review des Debüts im (ich glaube) Hellion-Katalog auf - und schon musste wieder tief in die Tasche gegriffen werden, denn erhältlich war die Scheibe erst mal nur als Japan-Import. Und wenn ich ganz ehrlich zu mir bin - ich war zunächst etwas enttäuscht, denn die Demosongs waren immer noch die besten Songs. Mit den neuen Stücken musste ich mich erstmal anfreunden, ‚The Alchemist‘, ‚Cruel Disguise‘, ‚Feel The Fire‘ und ‚A Single Century‘ (die letzten beiden sind nur auf dem Import erhalten) hingegen kannte ich auswendig. Dass die Scheibe natürlich trotzem super und extrem eigenständig ist, versteht sich von selbst, denn sonst würde sie hier nicht auftauchen.
 
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81 - THE NEAL MORSE BAND - The Similitude Of A Dream (2016)

Neal Morse habe ich natürlich mit dem Erstling von Spock's Beard kennengelernt, aber im Grunde kann ich auch mit all seinen anderen Projekten etwas anfangen. Mal weniger (Dieses Joseph-Ding), mal viel mehr - "The Similitude..." ist ein üppiges, opulentes Doppelalbum mit all den Songwritingqualitäten, mit denen Morse die Progwelt seit Jahrzehnten in Atem hält. Natürlich umschifft man hier auch ab und an geschickt die Küsten des Kitsches, aber unter den 23 Stücken finden sich so viele wunderschöne Perlen, dass man sofort wieder gefangen ist, wenn man dieses Album auflegt. Am besten genießt man die Sache am Stück unter dem Kopfhörer oder aber auf einen langen Autofahrt. Große Platte, wirklich!
 
Yeah, tolles Ding wie alles vom Neal! Wobei "The Great Adventure" sogar noch ein Iota besser ist, mit "A Love That Never Dies" ganz am Ende zerreißen sie die Herzen komplett, völlig großartig! Teil 2 "dieses Joseph-Dings" ist übrigens richtig klasse geworden, klar besser als Teil 1. Wobei ich auch den mochte. Wie eben alles vom Neal.
 
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